Software für Menschen, die darin wohnen
Musik, die durch die Wohnung mitkommt, und Lichtszenen, die sich jeder selbst zusammenstellt. Die schwierigsten Anforderungen kamen hier nicht aus einem Standard, sondern aus dem Alltag.
Musik, die mitkommt
Die Idee ist einfach: Man geht von der Küche ins Büro, und die Musik kommt mit. Bewegungsmelder erkennen den Raum, der Lautsprecher dort tritt der laufenden Gruppe bei, und nach einer Weile ohne Bewegung verlässt der leere Raum sie wieder.
Lange lief das als Skript. Am 15. Oktober haben wir es in eine eigene Home-Assistant-Integration überführt, mit Einstellungen pro Raum statt fest im Code.
Die Regeln kamen aus dem Alltag
Kein Standard beschreibt, wie sich Musik in einer Wohnung zu verhalten hat. Die Regeln entstanden aus Situationen, die schiefgingen:
- Zwei Gruppen laufen gleichzeitig, etwa im Büro der PC und in der Küche Spotify. Welcher folgt man? Die Antwort: der Gruppe, deren Wiedergabe zuletzt gestartet wurde. Ein Titelwechsel zählt nicht als Start.
- Der Raum mit der Quelle darf nicht gehen. Spielt das Büro den Ton vom PC und alle anderen hören mit, würde allen die Musik fehlen, wenn das Büro die Gruppe verlässt.
- Der letzte Lautsprecher wird nie gestoppt. Wer kurz das Zimmer verlässt, will nicht in Stille zurückkommen.
- Neue Bewegung bricht den Timer ab. Sonst verschwindet die Musik, während man noch im Raum sitzt.
Jede dieser Regeln ist eine Zeile Code. Darauf zu kommen, brauchte Wochen Alltag.
Lichtszenen, die jeder selbst baut
Für das Licht haben wir eine bestehende Erweiterung für Home Assistant so stark ausgebaut, dass daraus ein eigenes Projekt wurde: Scene Studio. Szenen aus Fotos, eigene Vorlagen, Übergangszeiten pro Lampe, Farben aus dem Albumcover der Musik, die gerade im Raum läuft.
Am 3. November wurde Scene Studio in die offizielle Liste des Home Assistant Community Store aufgenommen. Damit steht es allen offen, die Home Assistant nutzen.
Auch hier kamen die wichtigsten Änderungen nicht aus der Technik. Eine Beschriftung «Auslassen» klang im Alltag nach «ausschalten» und heisst jetzt «Nicht steuern». Ein Knopf auf dem iPhone lag unter der Statusleiste. Solche Dinge findet kein Test, nur jemand, der die Oberfläche nicht selbst gebaut hat.
Was anders ist als im Grossprojekt
In Grossunternehmen schreiben Fachabteilungen Anforderungen auf, oft hundert Seiten. Zu Hause gibt es keine Fachabteilung, nur Menschen, die im Alltag merken, was stört. Ein Smart Home, das nur der versteht, der es gebaut hat, ist kein gutes Smart Home.
Die Erkenntnis
Die schnellste Software nützt nichts, wenn sie sich falsch anfühlt. Das Wissen, was sich richtig anfühlt, kommt nicht aus Spezifikationen, sondern aus Beobachten und Zuhören. Auch im Wohnzimmer ist Fachwissen der Engpass, nur heisst es dort Alltag.