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my AI Tagebuch · Im Grossen

Abend 1: Vom leeren Repository zum Zahlungskern

Mittwoch, 28. Oktober 2026 · Michael Andrejews

Am ersten Abend entstand das Fundament eines Instant-Payment-Systems: Nachrichtenmodell, Fachregeln, Zahlungskern, Gateway, Simulator, Bankenstamm, Sicherheit, Rückforderung und ein erstes Backoffice. 45 Commits. Möglich wurde das, weil die Architektur vor dem ersten Code feststand.

Die Ausgangslage

Seit August 2024 laufen Instant Payments in der Schweiz. Bis Ende 2026 müssen alle Banken im Kundenzahlungsverkehr sie empfangen können. Für viele kleinere Institute ist das eine Pflicht, die Geld und Zeit kostet.

Instant ist dabei kein schnellerer Batch, sondern ein anderer Betrieb. Eine Zahlung muss in wenigen Sekunden geprüft, reserviert, gesendet und gutgeschrieben sein. Sie ist danach endgültig. Fehler lassen sich nur noch über Rückforderungen mit Fristen lösen. Und das alles rund um die Uhr.

Wir kennen diese Welt aus 15 Jahren Zahlungsverkehr. Die Frage für diesen Abend war: Wie weit kommen wir, wenn wir nicht selbst programmieren, sondern KI-Agenten führen?

Erst denken, dann bauen

Bevor ein Agent eine Zeile schrieb, standen drei Entscheide fest:

Diese drei Sätze sind unscheinbar. Sie haben aber verhindert, dass die Agenten in den folgenden Stunden ein Durcheinander bauen.

Was an diesem Abend entstand

Die Commits lesen sich wie der Projektplan eines halben Jahres:

Etappe Inhalt
Nachrichtenmodell Typisierte Klassen aus den CH-Schemas, Schweizer Kennungen wie IBAN und QR-Referenz, Fachregeln über das Schema hinaus
Zahlungskern Zustandsautomat für jede Zahlung, Idempotenz, Prüfung der Grundcodes gegen die SIX-Regeln
Gateway und Simulator Anbindung an die zentrale Plattform und ein Simulator, der sie samt Ende-zu-Ende-Szenarien ersetzt
Bankenstamm Import des SIX-Bankenstamms, Empfängerbank aus der IBAN
Sicherheit Berechtigungskonzept, Rollen, Vier-Augen-Freigaben, Login über Keycloak
Rückforderung camt.056, camt.029 und pacs.004 mit Fristen und Freigabe
Backoffice Erste Weboberfläche mit Login

Jede Etappe lief über einen eigenen Feature-Branch mit Pull Request. Am Ende des Abends gab es sieben gemergte Pull Requests und eine Roadmap für die nächsten Schritte.

118 Uhr519520921722112330 Uhr
45 Commits zwischen 18 Uhr und Mitternacht. Die meisten in der letzten Stunde, als Rückforderung und Backoffice dazukamen.
Das Backoffice: Zahlungen, Ausnahmen, Freigaben und Stammdaten an einem Ort. Erfundene Bank, Demo-Daten.
Das Backoffice: Zahlungen, Ausnahmen, Freigaben und Stammdaten an einem Ort. Erfundene Bank, Demo-Daten.
Jede Zahlung mit vollständigem Verlauf: Zustände, Nachrichten an die Plattform und wer wann was entschieden hat.
Jede Zahlung mit vollständigem Verlauf: Zustände, Nachrichten an die Plattform und wer wann was entschieden hat.

Was unsere Rolle war

Wir haben kaum Code gelesen, aber viel entschieden. Welche Nachricht kommt wann? Was passiert, wenn die Plattform nach acht Sekunden nicht antwortet? Wer darf eine Rückforderung freigeben, und darf es dieselbe Person sein, die sie erfasst hat?

Solche Fragen beantwortet kein Agent von selbst richtig. Er beantwortet sie plausibel. Der Unterschied zwischen plausibel und richtig ist im Zahlungsverkehr genau das, was später teuer wird.

Eine Rückforderung mit Frist und Freigabe durch eine zweite Person. Wer sie erfasst hat, darf sie nicht selbst freigeben.
Eine Rückforderung mit Frist und Freigabe durch eine zweite Person. Wer sie erfasst hat, darf sie nicht selbst freigeben.

Die Erkenntnis des Abends

Die Geschwindigkeit hat uns überrascht, aber nicht das Wichtigste. Wichtiger war: Die Qualität hing fast vollständig an den ersten zehn Minuten. Architektur, Quellen und Regeln vorgeben, dann laufen lassen. Wo wir das versäumt hätten, hätten wir am nächsten Abend aufgeräumt statt gebaut.